In den Religionsgesellschaften und Kirchen in Deutschland, sowie ihren karitativen Einrichtungen gilt das Betriebsverfassungsgesetz nicht, stattdessen übernehmen hier Mitarbeitervertretungen (MAV) auf der Basis der von den Kirchen erlassenen „Mitarbeitervertretungsgesetzen“ (MVG) die Aufgaben von Betriebsräten.

130 000 Mitarbeitende wählen jeweils in ihrer Einrichtung ihre eigene Mitarbeitervertretung (MAV). So viele Männer und Frauen arbeiten hauptamtlich in rund 4900 Sozialeinrichtungen, die zur „Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. (Diakonie RWL)“ gehören. Die drei diakonischen Werke (Landesverbände) haben den Verein gemeinsam gebildet. Das entspricht den Strukturen der drei eigenständigen evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen: Ev. Kirche im Rheinland, Ev. Kirche von Westfalen und Lippische Landeskirche.

Die „Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in Westfalen und in Lippe“ (agmav WESTFALEN-LIPPE) ist der landesweite Dachverband, der die Mitarbeitervertretungen der diakonischen Einrichtungen in Westfalen und Lippe vertritt.

In einer Geschäftsordnung sind Struktur und Arbeitsweise der agmav festgelegt; diese wurde durch die Mitgliederversammlung beschlossen. Die Mitgliederversammlung wählt auch die agmav, die aus 15 Mitgliedern besteht.

Die Mitglieder und alle Aktiven arbeiten bislang in der und für die agmav ehrenamtlich, das heißt privat und zusätzlich zu ihrer normalen Berufstätigkeit. Die agmav wird jeweils im Jahr der MAV-Wahlen für vier Jahre gewählt.

Historie

Die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in Westfalen“ (agmav) haben am 6. Dezember 1996 etwa 20 gewählte MitarbeitervertreterInnen aus Westfalen und Lippe in Bielefeld-Bethel vollzogen. Als Zusammenschluss der Mitarbeitervertretungen aus diakonischen Einrichtungen in Westfalen, genauer gesagt “im Bereich des Diakonischen Werks Westfalen”, sollte auch hier ein landesweiter Zusammenschluss gebildet werden, denn vergleichbare „agmaven“ oder „Gesamtausschüssen“ gibt es bereits seit Ende der 1970er Jahre in nahezu allen der 24 Gliedkirchen / Diakonischen Werke in der EKD.

Rechtliche Anerkennung

Seit der Gründung begehrt die agmav eine klare Einbeziehung in kirchliche Prozesse und dafür auch eine entsprechende Ausstattung; üblicherweise wird das in den anderen Gliedkirchen der EKD durch eine Regelung im jeweiligen Einführungsgesetz / Übernahmegesetz zum Mitarbeitervertretungsrecht (zu §§ 54, 55 MVG.EKD) festgelegt. Entsprechende Anträge der agmav hatte die Kirchenleitung stets abgelehnt, lediglich die Diakonie Westfalen (der Vorstandsvorsitzende) hat zeitweise über einige Jahre eine kleine Mittelzuweisung übernommen.
Mit dem 2. MVG wurde in §54 die Einrichtung eines landesweiten Gesamtausschusses nicht mehr ins Belieben der Landeskirchen gestellt sondern verbindlich vorgeschrieben, so dass die evangelische Landeskirche von Westfalen entsprechende Regelungen treffen musste.

Aktuell

Die Synode der Ev. Kirche von Westfalen hat ein Gesetz zur Gründung eines Gesamtausschusses gem. §54 MVG beschlossen. Eine Ausführungsverordnung, die die Einzelheiten regeln soll, ist auf der letztjährigen Landessynode im November verabschiedet worden, so dass die Konstituierung eines westfälischen Gesamtausschusses 2014 möglich wurde. Über Einzelheiten bzgl. Zusammenarbeit mit Kirchen- und Diakonieleitung, Ausstattung mit Sachmitteln und Arbeitszeit etc. wird die neu gewählte agmav in Kürze Gespräche aufnehmen.